Ich bekomme sie regelmäßig. Anfragen von schwulen Männern, die PrEP nehmen und in die PKV wechseln wollen. Sie verdienen gut, sind meist kerngesund und leben eigenverantwortlich. PrEP ist eine medizinisch anerkannte HIV-Prävention mit einer Schutzwirkung von über 99 Prozent bei korrekter Einnahme, von der WHO empfohlen und seit 2019 GKV-Pflichtleistung nach § 20j SGB V. Wer PrEP nimmt, sitzt alle drei Monate beim Arzt, lässt Blutbild, Nierenwerte und STI-Screening machen. Engmaschiger geht Prävention kaum.
Praktisch alle privaten Krankenversicherer lehnen diese Männer ab. Bis auf zwei. Dieselben Versicherer, die im Juni fröhlich die Regenbogenflagge auf LinkedIn posten.
PrEP und PKV ist ein Problemfeld der privaten Krankenversicherung. PrEP (Präexpositionsprophylaxe) ist ein HIV-Präventionsmedikament mit über 99 Prozent Schutzwirkung, seit 2019 GKV-Pflichtleistung nach § 20j SGB V. Fast alle PKV-Versicherer lehnen Antragsteller mit PrEP-Einnahme bei der Gesundheitsprüfung ab.
Zahlt die GKV PrEP und warum?
PrEP steht für Präexpositionsprophylaxe. Das Medikament Emtricitabin/Tenofovir verhindert eine HIV-Infektion. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat es zugelassen, der deutsche Gesetzgeber hat es 2019 zur Kassenleistung gemacht.
Zielgruppe sind Männer die Sex mit Männern haben, Transgender-Personen und andere Menschen mit substantiellem HIV-Risiko. Ende 2024 nahmen in Deutschland rund 40.000 Menschen PrEP ein, Tendenz steigend. Nach § 20j SGB V haben GKV-Versicherte mit entsprechendem Risikoprofil Anspruch auf das Medikament, die ärztliche Beratung und alle Begleituntersuchungen. Die Zuzahlung beträgt 5 bis 10 Euro pro Rezept.
In der PKV sieht das anders aus.
Was die PKV über PrEP denkt
Seit Dezember 2020 gibt es eine Rahmenvereinbarung zwischen dem PKV-Verband und der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (dagnä). In der Praxis bedeutet das: Rund 14 von über 50 Versicherern bestätigen eine Kostenübernahme, und auch nur für Bestandskunden. Für Neukunden, also Menschen die mit PrEP in die PKV wechseln wollen, lehnen bis auf zwei Versicherer alle ab.
Stand März 2026 habe ich wieder alle Versicherer abtelefoniert. Nach unserer Marktrecherche nehmen zwei Anbieter noch auf, beide mit Leistungsausschluss für PrEP, PrEP-Beratung und die Begleituntersuchungen. Alle anderen Tarifleistungen bleiben vollständig erhalten. Die aktuellen Namen der beiden Anbieter teile ich in der persönlichen Beratung mit, da sich die Annahmerichtlinien kurzfristig ändern können.
| GKV | PKV (Neukunde mit PrEP) | |
|---|---|---|
| Medikamentenkosten | 5-10 Euro Zuzahlung | Ausgeschlossen, Selbstzahler: 50-70 Euro/Monat |
| Begleituntersuchungen (alle 3 Monate) | Vollständig übernommen | Ausgeschlossen |
| HIV/STI-Testung | Vollständig übernommen | Ausgeschlossen |
| Rechtsgrundlage | § 20j SGB V | Keine |
| Versicherungsabschluss | Kein Problem | Nur zwei Anbieter (auf Anfrage) |
Eigene Zusammenstellung, Stand März 2026
Warum die Ablehnungsgründe nicht überzeugen
Versicherer nennen intern drei Gründe. Keiner hält nüchterner Prüfung vollständig stand.
Langzeitrisiken des Medikaments. Tenofovir kann die Nierenfunktion beeinträchtigen. Fachlich nachvollziehbar, aber PrEP ist seit 2012 zugelassen und seit 2019 Kassenleistung. Wenn die GKV das Risiko für 40.000 Versicherte trägt, kann die PKV es kaum als unkalkulierbar bezeichnen. Die engmaschige Überwachung alle drei Monate fängt Nebenwirkungen früh ab.
PrEP als Marker für höheres STI-Risiko. Statistisch korrekt: Bei PrEP-Nutzern werden mehr Geschlechtskrankheiten diagnostiziert. Das liegt daran, dass sie sich regelmäßig testen lassen. Nicht getestet bedeutet nicht infektionsfrei, es bedeutet nicht erkannt. Wer alle drei Monate beim Arzt sitzt und sich durchscreenen lässt, ist kein Risikoversicherter. Er ist ein früh erkannter und behandelter Versicherter. Die PKV profitiert von Prävention, nicht umgekehrt.
Negativer Markttrend. Versicherer, die PrEP-Nutzer früher aufgenommen haben, tun es nach unserer Marktbeobachtung heute nicht mehr. Der Markt bewegt sich in Richtung Verschließung. Wer heute noch aufnimmt, macht es morgen möglicherweise nicht mehr.
Was kostet PrEP als Selbstzahler in der PKV?
Wer bei einem der beiden aufnehmenden Versicherer aufgenommen wird, zahlt PrEP selbst. Generika kosten rund 50 bis 70 Euro monatlich in der Apotheke. Die Begleituntersuchungen alle drei Monate gehen ebenfalls auf eigene Rechnung.
Alle anderen PKV-Leistungen bleiben vollständig erhalten: stationäre Behandlung, ambulante Versorgung, Zahnleistungen, alles wie im Tarif vereinbart.
Wer die Beitragsdifferenz zwischen GKV-Höchstbeitrag und dem eigenen PKV-Beitrag gegenrechnet, steht trotz des Eigenanteils für PrEP in vielen Fällen besser da. Das ist kein Automatismus. Es ist eine Rechnung, die für jeden Einzelfall gemacht werden muss.
Warum trotzdem Beratung Pflicht ist
Zwei Versicherer klingt nach wenig. Ist es auch. Beide sind ordentliche Anbieter mit ordentlichen Tarifen, aber ihre Tarife unterscheiden sich erheblich: in den Leistungsbausteinen, der Beitragsstruktur, dem Erstattungsverhalten, den Selbstbehalten. Wer bestimmte Tarifmerkmale braucht, könnte feststellen, dass eines der beiden Häuser nicht passt.
Für Beamte gibt es einen Sonderweg: Die Beihilfe erstattet PrEP-Kosten anteilig, wenn die Bundesbeihilfeverordnung gilt. Bei anderen Dienstherrn kann die Regelung abweichen. Für den PKV-Anteil gelten dieselben Einschränkungen wie für alle anderen. Beamte mit Anspruch auf Öffnungsklausel können bei jedem Versicherer unterkommen, der sich ihr unterwirft. Ob das immer der richtige Weg ist, ist eine andere Frage.
Wichtig: Nur weil diese beiden Anbieter gesunde Männer aufnehmen, gilt kein Freifahrtschein. Vorerkrankungen, inklusive bestimmter Geschlechtskrankheiten in der Krankengeschichte, können auch dort zur Ablehnung führen.
Was ich meinen Mandanten rate
Ehrlichkeit bei der Gesundheitsprüfung. PrEP ist ein ärztlich verordnetes Medikament und muss angegeben werden. Verschweigen ist eine Anzeigepflichtverletzung. Im Leistungsfall verliert man den Versicherungsschutz.
Anonyme Risikovoranfrage über einen spezialisierten Versicherungsmakler. Niemals direkt beim Versicherer beantragen. Eine Ablehnung muss bei jedem nachfolgenden PKV-Antrag bei einem anderen Versicherer angegeben werden. Die Antragsbögen fragen das wörtlich ab. Vergessene Angaben gelten als Anzeigepflichtverletzung nach § 19 VVG. Ein Versicherungsmakler stellt die Anfrage anonym, namentlich erst dann, wenn die Annahme schriftlich vom Versicherer zugesichert ist.
Reihenfolge beachten. Wer noch nicht PrEP nimmt und einen PKV-Wechsel plant: erst wechseln, dann mit dem Arzt über PrEP sprechen. Im Antrag kann gefragt werden, ob medizinische Behandlungen geplant sind. Das ist eine Frage die ernst zu nehmen ist.
Realistisch bleiben. Der Markt gibt aktuell zwei Versicherer her. Wer bestimmte Tarifmerkmale zwingend braucht, könnte feststellen, dass es kein passendes Angebot gibt.
PKV-Eintritt mit Vorerkrankung
Bei Vorerkrankungen oder Dauermedikation ist die anonyme Risikovoranfrage der erste Schritt. Sie zeigt, welche Versicherer welche Konditionen bieten, ohne dass Ihr Name beim Versicherer registriert wird. Voranfrage starten →
Fazit
PrEP ist eine medizinisch anerkannte Prävention mit gesetzlichem GKV-Anspruch. Die PKV behandelt sie als Ablehnungsgrund. Zwei Versicherer tun es nicht. Wer den Weg kennt und ihn richtig geht, hat eine reelle Chance auf einen PKV-Schutz der alles außer PrEP vollständig abdeckt.